Montag, 8. Mai 2017

Die Letzten der ältesten Kultur der Erde auf dem Weg zum Untergang - Anmerkungen zur Kultur der San

San-Kunsthandwerkler Felszeichnung der San (Dancing Ladies) Morgendämmerung an der !Xaus Lodge

Auf unserer Afrikareise 2017 ergeben sich in den Cederberg Mountains und in der Kalahari mehrmals Kontakte zur Kultur und zu Menschen der Ethnie der San (auch als Buschmänner bezeichnet).(1) Die traditionell als mobile Jäger und Sammler lebenden San gelten als die älteste lebende Population auf der Erde.(2) Weidewirtschaft betreibende Khoikhoi- und Bantu-Stämme verdrängten San vor 500 - 1.500 Jahren aus den Cederbergen und nahezu allen anderen Regionen Südafrikas und Namibias.(3) Niederländischer und deutscher Kolonialismus führten in Südafrika und Namibia militärische Vernichtungsfeldzüge gegen San durch, weil diese der Ausbreitung von Farmen im Weg waren und sich mitunter von Farmvieh ernährten, um nicht zu verhungern. San zogen sich in die Kalahari zurück und konnten sich erfolgreich an die Lebensbedingungen der Savanne anpassen. Da in der Kalahari weder Ackerbau noch Weidewirtschaft profitabel betrieben werden können, lebten San dort über mehr als 1000 Jahre relativ unbedrängt von konkurrierenden Ethnien und vom europäischen Kolonialismus. 1961 wurde das Central Kalahari Game Reserve (CKGR) als Schutzgebiet für Wildtiere etabliert und San erlaubt, ihren Jäger-Sammler-Lebensstil im Schutzgebiet fortzusetzen. Die friedliche Lösung endete 1980 mit der Entdeckung bedeutender Diamantenvorkommen im CKGR. Erneut setzten Diskriminierung und Vertreibung der San ein, deren Existenz in der Gegenwart akut bedroht ist.

Als Europäer engagieren wir uns für Biodiversität und deklarieren Nationalparks, um vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Wir prangern von Menschen provozierte Klimaveränderungen, die Verschmutzung von Luft, Meeren und Licht an und zwingen Politik zu handeln. Wir helfen fremden Menschen in Notlagen mit Spenden und persönlichem Einsatz. Wir setzen uns für Menschenrechte ein, ächten Inhumanität und sind über für das von unseren Vorfahren verübte Unrecht beschämt. Jede dieser Initiativen ist gut und richtig. Solidarität mit der Ethnie der San und Engagement für deren Kampf gegen den Untergang ihrer Kultur ist jedoch nur in nahezu unsichtbaren Nischen zu finden. Auf Reisen durch die Welt und das Web ist dieses Unrecht nur zu übersehen, wenn man es übersehen will. Wie ist das Desinteresse zu erklären? Ist unser Blick durch Ethnozentrismus, Rassismus und Konsumrausch verstellt? Der Verdacht drängt sich auf!

Soweit Fußnoten nicht auf Quellen verweisen, basiert der Post auf öffentlich zugänglichen Quellen im Web.(4)

Samstag, 6. Mai 2017

Begegnungen mit der Steinzeit - Großsteingräber auf der Insel Rügen

Großsteingrab Lonvitz 1 (Sprockhoff-Nr. 490) Seit mehr als 10 Jahren reisen wir regelmäßig zur Insel Rügen und treffen auf unseren Wanderungen immer wieder auf Großsteingräber. Monumente prähistorischer Kultstätten faszinieren uns. Im visuell-emotional dominierten 'postfaktischen Zeitalter' finden sie auf der Touristeninsel nur minimales Besucherinteresse. Der Sachverhalt wundert uns wenig und freut uns viel.(1) Entgegen der auf Rügen verbreiteten Praxis verdanken wir ihm, dass der Zugang zu den Kultstätten kostenlos ist und wir sie unbehindert betrachten können.
Kulturelle Artefakte dieser Art entstehen nicht zufällig, sondern in Kontexten. Ein Verständnis solcher Bauwerke und ihrer Kontexte erschließt sich nicht durch Anschauung, sondern erst dank zusätzlicher Informationen. Verfügbare Daten und deren Qualität verhindern jedoch eine vollständige Erklärung von Bedingungen und Motivationen, unter denen Großsteingräber entstanden und öffnen weite Räume für Deutungen.(2) 
Mit der Absicht, das persönliche Verständnis der Bedeutung und Entstehungsbedingungen von Großsteingräbern auf Rügen zu vertiefen, verdichtet der aktuelle Post diesbezüglich über mehrere Jahre gesammelte Eindrücke und Informationen. Menge und Größe von Erklärungslücken können auf diesem Weg vielleicht reduziert werden. Restlos eliminieren lassen sich die Lücken nicht.