Eine Untersuchung der Boston Consulting Group (BSC) ordnet die Verteilung von Vermögen (Geldmittel, Anlagen, Investitionen) in Deutschland in vier Klassen. Zahlen für das Jahr 2025 dokumentiert das Portal Statista: Vermögensverteilung. Angaben in US $ sind beim aktuellen Kurs mit dem Faktor 0,87 in Euro umzurechnen.
- Superreiche: > 100 Mio. $
5.000 (0,007 %) aller Deutschen halten einen Anteil von 27,3 % am deutschen Vermögen. - Reiche: 1 - 100 Mio. $
700.000 (1,0 %) aller Deutschen halten einen Anteil von 25,5 % am deutschen Vermögen. - Vermögende: 250.000 $ - 999.999 $
3,6 Mio. (4,6 %) aller Deutschen halten einen Anteil von 11,3 % am deutschen Vermögen. - Nicht Vermögende: < 250.000 $
66 Mio. (94,4 %) aller Deutschen halten einen Anteil von 35,9 % am deutschen Vermöge
Grafik Statista
Die antike lateinische Redewendung Pecunia non olet (Geld stinkt nicht) rechtfertigt den Wert von Geld unabhängig von der Art und Weise, wie es verdient wurde. Moralisch ist dieses Prinzip fragwürdig, weil es ethisches Handeln ausblendet. Man könnte vermuten, dass die Elite der Superreichen von 5.000 Personen ihren Reichtum als Bestätigung überlegener eigener Großartigkeit versteht und sich als weitgehend bekannte Kohorte feiert, aber so ist das nicht. Mehr als 1/4 aller Superreichen sind unbekannt, weil sie in öffentlicher Wahrnehmung nicht vorkommen. Zusammenhänge und Erklärungen von Verhaltensmustern hat Soziologin Emma Ischinsky vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung untersucht und dokumentiert: The Invisible Super-Rich? A Quantitative Analysis of the Press Coverage of Germany’s Wealth Elite.
Die Untersuchung zeigt differenzierte Verhaltensmuster. Personen mit alten und neue Vermögen sind durch Präsenz und Berichte in Medien öffentlich sichtbarer als Personen, die ihr Vermögen im Zeitraum 1914 bis 1945 erworben haben. Personen mit historisch belasteten Vermögen haben offenbar ein Interesse daran, die Herkunft ihrer ethisch belasteten Vermögen zu verheimlichen und sind darum öffentlich weniger sichtbar als andere Superreiche. Demnach scheint Geld kein einebnendes Maß für Qualität der Herkunft von Reichtum zu sein, sondern in der Wahrnehmung von Menschen gute und schlechte Gerüche zu verbreiten und selbst Superreiche scheinen besorgt um ihren Ruf zu sein.
Der wissenschaftliche Aufsatz von Emma Ischinsky ist für Nicht-Soziologen sperrig. Leichter verständlich sind zwei Zusammenfassungen:
- Junge Welt, 09.06.2026, Scheue Rehe des Tages: Superreiche
- Gerald Wagner, FAZ, 08.06.2026, Warum sind bestimmte Superreiche unbekannt?
Bemerkenswert sind im Kontext einer weitgehend stagnierenden deutschen Wirtschaft weitere Sachverhalte (FAZ, 04.06.2024, Fast 1,8 Millionen Millionäre leben in Deutschland):
- Die Anzahl deutscher Superreiche ist von 3.900 m Jahr 2024 um 28,2 % auf 5.000 im Jahr 2025 gestiegen.
- Die Anzahl Millionäre ist im gleichen Zeitraum um 11,1 % auf 1,78 Mio. Millionäre gestiegen.
- Die reichsten 1 % der Deutschen besitzen ca. 50 % des Finanzvermögens und ca. 30 % des Gesamtvermögens.

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