Eine Gruppe Geisteswissenschaftler um den in Harvard lehrenden US-amerikanischen Anthropologen und Psychologen Joseph Henrich prägte in einer einflussreichen Veröffentlichung von 2020 den Begriff WEIRD für westliches Denken. (1,2) WEIRD ist ein englisches Akronym für western (westlich), educated (gebildet), industrialized (industrialisiert), rich (wohlhabend, reich) und democratic (demokratisch) und zugleich ein Wortspiel. „Weird“ bedeutet im Englischen „seltsam“, „sonderbar“ oder „merkwürdig“. Die Bedeutung und Kontexte von WEIRD betrachtet der Post in 4 Kapiteln:
1 Auf welche Phänomene verweist WEIRD?
2 Warum wurden westliche Kulturen WEIRD und dominant?
2.1 Warum hat sich kulturelle Evolution in Zweige mit unterschiedlichen Verhaltensmustern geteilt?
2.2 Warum geraten WEIRD-Kulturen zunehmend in die Defensive?
2.3 Warum breiten sich in westlichen Kulturen reaktionäre populistische Bewegungen aus?
3 Wie ist WEIRD aus soziologischer Perspektive einzuordnen?
1 Auf welche Phänomene verweist WEIRD?
Ab dem 15. Jahrhundert verwandelte die europäische Expansion
die Welt und trägt aus Sicht westlicher Kulturen vermeintlich
Fortschritt und Zivilisation in vermeintlich entwicklungsbedürftige
Regionen der Welt. Die Verbreitung vermeintlichen Nutzens und
Fortschritts geht mit Begleitschäden einher, die je nach Haltung als
unvermeidbar und entschuldbar, aber bedauerlich in Kauf zu nehmen sind
oder als verwerflich bewertet werden. In diesem seit mehreren
Jahrhunderten stattfindenden Prozess zeigt sich, dass zahlreiche
Kulturen zwar
nützliche westliche Innovationen freiwillig übernehmen, sich aber gegen
eine pauschale Verwestlichung wehren sowie westliche Denk- und
Verhaltensmuster ablehnen und eigene kulturelle Traditionen mit höherer
Wertschätzung betrachten. Ethnozentristische
Voreingenommenheit ist kein Problem westlichen Denkens, sondern ein in
allen Kulturen anzutreffendes Phänomen unbewusster Wahrnehmungsmechanismen. (Vgl. Post Beobachtungen erster und zweiter Ordnung.) Durch europäische Kultur
geprägte Denkmuster werden als Eurozentrismus bezeichnet. In anderen
Kulturräumen bestehen vergleichbare, kulturell geprägte Denkmuster.
In der (Sozial‑)Psychologie werden wissenschaftliche Studien meistens mit westlichen Probanden untersucht, ohne Rücksicht darauf, ob psychologische Mechanismen universell oder nur kulturell gültig sind. Henrich verweist an zahlreichen Beispielen psychologischer und sozialpsychologischer Studien auf spezifische Denk- und Verhaltensmuster von Menschen westlicher Kulturen vs. nicht-westlicher Kulturen und erklärt, wie sich unterschiedliche Denk- und Verhaltensmuster herausbilden konnten und welche Folgen daraus resultieren.
Aus zitierten empirischen Studien schließen Henrich et al., dass westliche Verhaltensmuster, Werte und Normen in
weiten Teilen der Welt als seltsam und sonderbar gelten. Gegenüber der Familie
und Verwandtschaft verlangt die Moral des
Stammesdenkens nicht-westlicher Kulturen Loyalität und gegenseitige Unterstützung
sowie gegenüber Fremden einen Vertrauensvorschuss an Fairness, der in
westlichen Kulturen unüblich ist. Für Menschen westlicher Kulturen stellt Henrich fest:
- Sie zeigen geringe Konformität und wenig Respekt gegenüber Traditionen und älteren Menschen. Traditionen und kollektives Brauchtum verlieren an Bedeutung.
- Ein von Schuldnormen integriertes Gemeinwesen ist ihnen wichtiger als von Normen der Scham regierte Verwandtschaftssysteme.
- Sie bewerten eigenes Wohlergehen höher als Gemeinwohl und halten Autonomie, eigene Entscheidungen und Individualität für wichtiger als Konsens, Harmonie und kollektive Identität.
- Sie wertschätzen analytisches Denken, Individualismus, Freiheit, Fleiß, Vertrauenswürdigkeit, Geduld, Selbstbeherrschung.
- Sie bevorzugen Marktwirtschaft gegenüber Cliquenwirtschaft und verurteilen Vetternwirtschaft, Korruption, Clans, arrangierte Ehen.
- Grund und Boden gehört keiner Gemeinschaft, sondern Einzelpersonen und wird als Ware gehandelt.
- Als wertvoll erachtete Objekte und Fähigkeiten werden wie Ware bewertet und gehandelt.
- Sie respektieren Gesetze von Rechtssystemen anonymer Institutionen sowie Regeln von Compliance-Systemen.
- Sie vertrauen auf Rechtsstaatlichkeit, ahnden Verstöße und akzeptieren Bestrafungen von Verstößen.
- Sie vertrauen Fremden nicht, aber kooperieren mit ihnen, weil normative Systeme Verbindlichkeit herstellen und Schutz bieten.
- Sie fallen auf optische Täuschungen herein und können sich Gesichter schlecht merken.
Ca. 12 % aller Menschen leben in westlichen Industrieländern. Eine
Mehrheit aller wissenschaftlichen Studien verantworten jedoch Wissenschaftler aus WEIRD‑Ländern. Probanden von Studien sind ebenfalls in WEIRD-Ländern sozialisiert. 2008 stammten in Psychologiestudien 96 % der Teilnehmer aus Industrieländern. Da wissenschaftliche Studien zu Kontexten menschlichen Verhaltens überwiegend von WEIRD-People produziert werden, sind Ergebnisse dieser Studien mehr oder weniger extrem WEIRD bzw. eurozentristisch
verzerrt. (3) Im Ergebnis zeigen diese Untersuchungen, dass Untersuchungen
kulturell variable Aspekte mit universalen Aspekten vermengen, daher
kulturell geprägte menschliche Vielfalt übersehen und teilweise variable
Aspekte fälschlicherweise als universelle Aspekte identifizieren. Joseph
Henrich hat mit einer Studiengruppe diese Sachverhalte und ihre
Auswirkungen untersucht und Ergebnisse der Untersuchungen in dem zitierten Buch
veröffentlicht, auf das sich diese Beschreibung bezieht.
2 Warum wurden westliche Kulturen WEIRD und dominant?
Henrich nimmt an, dass sich aufgrund dieser Unterschiede westliche Kulturen mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen gegenüber Kulturen durchsetzen konnten, in denen Risiken prekärer Lebenssituationen signifikant größer sind. Daher konnten westliche Kulturen vergleichsweise höheren Wohlstand sowie Schutzmechanismen gegen prekäre Lebenssituationen entwickeln. Diese Entwicklung wird in westlichen Kulturen als Fortschritt empfunden und prägte Ideologien des Fortschrittsdenkens aus. Ob Menschen westlicher Kulturen zufriedener oder glücklicher sind, ist eine andere Frage.
Unstrittig ist, dass soziale Normen kulturell vermittelt werden. Erklärungsbedarf besteht jedoch bezüglich der Fragen:
- Warum hat sich kulturelle Evolution in Zweige mit unterschiedlichen Verhaltensmustern geteilt?
- Welche Bedingungen bewirken, dass sich westliche Kulturen in der Gegenwart gegenüber autokratischen Systemen zunehmend in der Defensive befinden?
- Warum breiten sich in westlichen Kulturen reaktionäre populistische Bewegungen zunehmend aus?
2.1 Warum hat sich kulturelle Evolution in Zweige mit unterschiedlichen Verhaltensmustern geteilt?
Henrichs zentrale These greift Max Webers
Annahmen zur protestantischen Ethik als Motor des Kapitalismus auf (4). Protestantische
Ethik versteht Henrich jedoch nicht als Treiber der Entwicklung,
sondern als Ausprägung einer deutlich früher einsetzenden Entwicklung. Henrich nimmt an,
dass die Ausbreitung der christlichen Religion ab ca. dem Jahr 500 die
entscheidende Veränderung zur Verdängung kollektiver tribaler Schamkultur durch individualistische westliche Schuldkultur bewirkte.(5) Die Unterscheidung von Scham- und Schuldkultur resultiert aus der Annahme zweier prinzipiell unterschiedlicher Kulturmuster:
- In kollektiv geprägten tribalen Strukturen von Schamkulturen sind Verhaltensnormen in externalen Verpflichtungen gegenüber Clans und Verwandtschaftssystemen eingebettet.
- In individualistisch geprägten Schuldkulturen basieren Verhaltensnormen auf internalisierter unpersönlicher Prosozialität von durch Moraltheologie und Rechtssysteme gerechtfertigten Schuldsystemen.
Als eher zufällig wirksame Katalysatoren der Zerschlagung verwandtschaftsbasierter Institutionen identifiziert Henrich die Verschärfung von Heiratsregeln und Inzestverboten der katholischen Kirche, die Monogamie und Neolokalität als Residenzregel von Kernfamilien gebietet und die Vetternehe verbietet. Mit diesen Vorschriften schuf die Kirche unbeabsichtigt die Sozialstruktur der isolierten Kleinfamilie und minimierte bewusst oder unbewusst die Bedeutung von Sippen, Clans, Verwandtschaft, um Bindungen an die eigene Institution zu erhöhen. Menschen mussten lernen, sich nicht über Clans und Verwandtschaft zu definieren, sondern über persönliche Eigenschaften und den Aufbau persönlicher Vertrauensverhältnisse. Mit dieser Veränderung entwickelten sich Individualismus und universelle ethische Prinzipien, während kollektives Denken und Vetternwirtschaft an Bedeutung verloren.
Indem die christliche Religion Heirats- und Inzestregeln umschrieb, veränderte sie das Denken von Europäern. Moraltheologie und Rechtssysteme regulieren unpersönlichen Wettbewerb
zwischen Individuen und motivieren Individuen zu eigenen Leistungen. Damit verursachten sie unbeabsichtigt Aufklärung, industrielle Revolution, Demokratie, Individualismus, ökonomisches und rationales Denken sowie die Herausbildung marktwirtschaftlich organisierter kapitalistischer Wirtschaftssysteme mit liberalen politischen Strukturen. Als nicht beabsichtigte Folge dieser Entwicklung bewirkte sie zugleich die Selbstzerstörung der christlichen Religion durch säkulares Denken. (6) Henrichs Deutungsmuster ist für viele Menschen selbstverständlich provozierend und daher strittig, aber Henrich zitiert eine große Menge an Belegen, deren Plausibilität kaum zu entkräften ist.
2.2 Warum geraten WEIRD-Kulturen zunehmend in die Defensive?
Dass westliches Denken und Verhalten zunehmend in die Defensive gerät und Clanstrukturen in westlichen Kulturen wieder stärker werden, erklärt Henrich in einem Interview als Folge unkontrollierbarer globaler Krisen, deren Dynamik von westlichen Kulturen erzeugt wurde und angetrieben wird. In kultureller Evolution entwickelte politische und soziale Strukturen können verdrängt oder überlagert werden, aber sie bleiben im kollektiven Bewusstsein erhalten. Unter dem Einfluss globaler Krisen suchen Menschen Schutz in kulturhistorisch bewährten, überschaubaren und kontrollierbaren Clanstrukturen.(7) Von Henrich et al. beschriebene Sachverhalte bestätigt der Schweizer Historiker, Philosoph und Ethnologe Daniel Speich Chassé in einer kritischen Betrachtung westlicher Konzepte von Fortschritt und Entwicklung.(8)
2.3 Warum breiten sich in westlichen Kulturen reaktionäre populistische Bewegungen aus?
Anhaltende, sich verstärkende, unverstandene Krisen komplexer Gesellschaftssysteme bewirken Vertrauensverluste politischer Institutionen sowie Identitätsverluste der Bevölkerung und erzeugen Angstkultur. Individuelle Ängste des Verlustes von Wohlstand, Wohlergehen und sozialem Status machen empfänglich für vermeintliche Ursachendefinitionen und Versprechen von Problemlösungen durch populistische Bewegungen. Diese nutzen und verstärken bestehende Angstkultur vermeintlich im Interesse des Gemeinwohls, aber tatsächlich im Interesse eigener Machtentfaltung. Ihr Erfolg resultiert aus vereinfachenden und verfälschenden Darstellungen komplexer
Zusammenhänge sowie nicht zuletzt aus mit empirischen Fakten nicht belegbaren Behauptungen und nachweislichen Lügen. Populismus erklärt Ursachen von Problemen und Defiziten vermeintlich kausal mit Schuldzuweisungen an Regierungspolitik. Gleichzeitig verspricht Populismus kollektives und individuelles Wohlergehen durch Stärkung nationaler Identität und Vorgaben vermeintlich politisch korrekter Haltungen mittels autoritärer Politik sowie durch Begrenzung von Inklusion, Reduzierung von Meinungsvielfalt, Beschneidung pluralistischer Freiheiten.
3 Wie ist WEIRD aus soziologischer Perspektive einzuordnen?
Henrich ist Psychologe. Für ihn als Psychologen haben psychische Dispositionen essenzielle Bedeutung. Bezüglich
erklärungsbedürftiger sozialer Strukturen wie Kolonialismus, Rassismus,
Rechtsradikalismus, autoritärer Politik etc. hält sich Henrich zurück. Von außen auf psychische Dispositionen einwirkende soziale Strukturen,
die sich als Habitus ausprägen, bleiben weitgehend ausgeblendet.(9) Das Habitus-Konzept beschreibt u.a. der von der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichte Essay Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen vor und nach 1990 der Autorinnen Anna Schwarz, Jarina Kühn, Anna Steinkamp:
Pierre Bourdieu (1930-2002) schuf eine komplexe kultursoziologische Theorie, unter anderem um die Lücke zwischen der Erklärung gesellschaftlicher Strukturen und dem Handeln der Einzelnen, zwischen Objektivem und Subjektivem zu schließen. Gerade sein „Habitus“-Konzept ist dafür sehr relevant. Unter „Habitus“ versteht Bourdieu das System von Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsmustern, das man im Sozialisationsprozess, also vor allem im Aufwachsen in der Herkunftsfamilie erwirbt. Dieser Habitus ist geprägt durch die soziale Position der Familie, er ist tief im Unterbewusstsein verankert und kommt auch in ethischen und ästhetischen Positionen, in Sprache und Geschmack zum Ausdruck. Der Habitus formt die künftigen Verhaltensweisen, wirkt aber nicht deterministisch, nicht jedes Detail vorherbestimmend. Er bildet eher einen Korridor der möglichen und besonders wahrscheinlichen Handlungen, Einstellungen und Vorlieben von Menschen. Bourdieu hielt diese Prägung für so tiefgreifend, dass der Habitus auch veränderte äußere Bedingungen überdauern, langfristig stabil sein kann. Da vielen Wissenschaftler*innen diese Annahme als zu wenig dynamisch galt, entwickelte Frank Lettke ein modifiziertes Habituskonzept. Hierin unterscheidet er zwischen einem zentralen, relativ stabilen, kaum veränderlichen „Primärhabitus“ einerseits und veränderlichen Aspekten innerhalb von weniger zentralen Varianten des „Sekundärhabitus“ andererseits. Letztere bewegen sich innerhalb der vom Primärhabitus gegebenen Grenzen und ergänzen ihn.
Skizzierte psychogenetische und erwähnte soziogenetische Prozesse schließen sich keineswegs aus, sondern sie interagieren. Aus soziologischer Sicht werden Denk- und Verhaltensdispositionen von Individuen von dominant prägenden sozialen Strukturen geformt: Armut, Reichtum, Bildung, soziale Herkunft, Regionalität etc. Zusätzlichen Einfluss üben Stereotype von biologischen Merkmalen aus: Geschlecht, Alter, körperliche Attraktivität etc. Komplexität differenzierter und stratifizierter sozialer Strukturen bewirkt, dass sich individuelle Denk- und Verhaltensdispositionen nicht gleichartig ausprägen, sondern nur in ähnlicher Art und Weise und über ein Spektrum variieren. Empirisch beobachtbare Verteilungen dieser Eigenschaften können in Wahrscheinlichkeitsbegriffen angemessen verallgemeinert werden. Ähnlich wie Habitus ist WEIRD weder eine Eigenschaft von Individuen noch eine universelle Eigenschaft von Kulturen, sondern ein sich in westlichen Kulturen herausgebildetes kulturelles Strukturmerkmal, das komplexe Denk- und Verhaltensdispositionen als spezielle Muster des westlichen Habitus ausprägt. Dispositionen beschreiben keine absoluten individuellen Eigenschaften von Menschen oder kollektive Eigenschaften von Populationen, sondern Verhaltensbereitschaften, die individuell unterschiedlich ausfallen können. In westlichen Kulturen besteht eine signifikante Wahrscheinlichkeit für als WEIRD bezeichnete Denk- und Verhaltensdispositionen. Allerdings sind Kulturen und Menschen nicht alle gleichartig WEIRD, sondern sie können unterschiedlich WEIRD sein.(10) Als WEIRD bezeichnete Eigenschaften sind in unterschiedlichen Konstellationen mit mehr oder weniger hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten, aber sie treten nicht zwingend auf:
- Wenn Menschen in WEIRD-Kulturen leben, können sie trotzdem individuell nicht WEIRD sein.
- Wenn Menschen westlich sozialisiert sind, können sie trotzdem arm und bildungsfern erzogen sein und undemokratisch denken.
- Wenn Menschen gebildet sind, bedeutet das nicht, dass sie reich sind und demokratisch denken.
- Wenn Menschen reich sind, bedeutet das nicht, dass sie gebildet sind und demokratisch denken.
- Wenn Menschen demokratisch denken, bedeutet das nicht, dass sie reich und gebildet sind.
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- Joseph Henrich: Die seltsamsten Menschen der Welt. Wie die Menschen reichlich sonderbar und besonders reich wurden. Berlin 2022 (Original: The WEIRDest People in the World: How the West Became Psychologically Peculiar and Particularly Prosperous. Farrar, Straus and Giroux, 2020)
- Rezensionen des Buchs:
- Günter Renz, Ethik und Anthropologie: Joseph Henrich: Die seltsamten Menschen der Welt
- Deutschlandfunk: Warum westliche Menschen "weird" sind
- FAZ: Die Menschen im Westen sind die Besten
- WELT: Warum sich Westler keine Gesichter merken können
- Joseph Henrich, Steven J. Heine, Ara Norenzayan: Most people are not WEIRD, Nature 466, 29 (2010). doi: 10.1038/466029a
- Wikipedia: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
- Die unter Kulturwissenschaftlern umstrittene Typologie von Scham- und Schuldkultur unterscheidet Kulturen nach der Art ihres Umgangs mit Konflikten durch externe oder interne Instanzen. Entwickelt hat diese Typologie in den 1940er Jahren die Kulturanthropologin Ruth Benedict zur Abgrenzung von Denk- und Verhaltensmustern in kollektiv geprägten fernöstlichen vs. individualistisch geprägten westlichen Kulturen.
- NZZ: Wie die katholische Kirche wider Willen den Fortschritt des Westens beschleunigte
- NZZ: Anthropologe Joseph Henrich: «Es schadet dem Zusammenleben, wenn Männer mehrere Frauen haben dürfen»
- Daniel Speich Chassé: Fortschritt und Entwicklung. Version 1.0. In: Docupedia-Zeitgeschichte. 21. September 2012
- Die Bedeutung von Pierre Bourdieu und „Habitus“ vertieft der Post Pierre Bourdieu, Habitus und Doxa - Machteliten und Machtstrukturen.
- Auf Auslandsreisen haben wir solche Unterschiede deutlich erfahren.
- Irland gehört unzweifelhaft zum westlichen Kulturraum, aber aufgrund relativer Distanz zum europäischen Kontinent und politischer Unterdrückung durch England haben sich Clanstrukturen erhalten und werden selbst für Besucher aus dem Ausland sichtbar. In persönlichen Gesprächen suchen Iren sofort nach verwandtschaftlichen Verbindungen. Selbst wenn weit entfernte Verbindungen identifiziert werden, gehören Besucher zum Clan und gelten als entfernte Verwandte.
- Ähnliche Erfahrungen haben wir auf mehreren USA-Reisen gemacht. Sobald man mit weißen US-Amerikanern ins Gespräch kommt, wird nach verwandtschaftlichen Verbindungen gefahndet. Fast jeder erinnert sich dann an wie weit auch immer entfernte deutsche Verwandtschaft oder ersatzweise an Reisen in Deutschland oder an militärische Aufenthalte in Deutschland.
- Auf Reisen nach Italien und Griechenland haben wir ebenfalls mehrfach erlebt, dass verbindende Gemeinsamkeiten gesucht werden.
- Obwohl in ländlichen Regionen von Frankreich und England Clanstrukturen erhalten sind, haben wir dort andere Erfahrungen gemacht. Vermutlich aufgrund des historischen Erbes werden deutsche Reisende eher reserviert oder sogar feindlich behandelt.
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